Gewalt in der Pflege

2018-08-14T11:45:00+02:00

Kein Tabuthema mehr: Gewalt in der Pflege

Pflegende Angehörige und andere Pflegekräfte erfüllen aufopferungsvoll eine anstrengende und verantwortungsvolle Aufgabe. Diese kraftzehrende und psychisch belastende Tätigkeit wird oftmals ohne Erholungspausen über einen langen Zeitraum durchgeführt. Diese fürsorgliche Hilfe mit zahlreichen Facetten bewirkt auch Überlastungen. Die körperlichen und seelischen Folgen können sich unterschiedlich darstellen. Eine mögliche Reaktion kann neben einer allgemeinen Erschöpfung und Gereiztheit auch ein Fehlverhalten durch die Ausübung von Gewalt gegenüber dem Pflegebedürftigen sein. Im Bereich der häuslichen wie stationären Pflege sind laut Medienberichten sowie Untersuchungen beziehungsweise Ermittlungen zuständiger Behörden sogar massive Quälereien und Tötungen in einzelnen Ausnahmefällen vorgekommen. Umgekehrt sind auch Situationen denkbar, in denen der Pflegebedürftige ein abwehr- oder aggressionsgesteuertes Gewaltverhalten zeigt. Außerdem können Formen struktureller Gewalt wie zum Beispiel eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität als Phänomen in der Pflege auftreten. Gewalt kann vorsätzlich oder fahrlässig zur Anwendung kommen. Sie kann sowohl aktiv als auch passiv ausgeübt werden. In der Form der Unterlassung sind die Pflegekräfte jeweils in ihrer Garantenstellung verantwortlich. Als körperliche Gewalt kommen unter anderem Handlungen wie Festhalten gegen den Willen des Betroffenen, Schlagen, Schütteln oder Festbinden im Bett infrage. Zeichen psychischer Gewalt können unter anderem Androhung von Gewalt, Beschämen oder Bloßstellen sein. Körperliche und seelische Misshandlungen finden in zahlreichen Fällen bei einer teilweisen oder fast vollständigen Wehrlosigkeit von Pflegebedürftigen statt. Zu der Anwendung von Gewalt in der Pflege kann auch auf Erfahrungsberichte, Umfragen und Anzeigestatistiken zurückgegriffen werden. Es stellt sich dabei jedoch die Frage, ob diese Ergebnisse einen repräsentativen Charakter haben. Einige Gründe lassen dies bezweifeln, obwohl die Zahlen natürlich ernst genommen werden müssen und Handlungsbedarf besteht. In der Regel sind neutrale Zeugen jedoch kaum vorhanden. Außerdem werden viele Gewaltanwendungen aus Angst und Scham verschwiegen. Es ist daher von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Die strafrechtliche Verfolgung einer einfachen Körperverletzung setzt die Stellung eines Strafantrages durch den Geschädigten voraus. In vielen Fällen geben sich die Opfer selbst die Schuld an Eskalationen und den daraus entstehenden Folgen.

Ursachen und Auswirkungen der Gewalt in der Pflege

Die unmittelbaren und mittelbaren Ursachen für eine Gewaltanwendung im Pflegebereich sind vielschichtig. Die extreme Beanspruchung durch die Pflegeaufgabe wirkt sich besonders gravierend auf die Pflegekräfte durch zu kurze Zeitvorgaben und personelle Unterbesetzung aus. Eine positive Grundstimmung, die notwendige Gelassenheit bei der Ausübung der Pflege wird vielfach durch die nervenaufreibende Gegenwehr von Pflegebedürftigen nachhaltig beeinträchtigt. Kommunikationsschwierigkeiten, Beziehungsstörungen zwischen Pflegekraft und Patienten sowie anderweitige Probleme oder Stressfaktoren können Wegbereiter für Gewalt sein. Der Verlust an Selbstwertgefühl, Schlaflosigkeit und Depressionen kann im Besonderen aggressive Reaktionen des Pflegebedürftigen auslösen. Vor allem psychisch kranke Patienten können unvermittelt gewalttätig werden. Dadurch wird zwar straftatbestandsmäßig auch eine Körperverletzung begangen, die aber wahrscheinlich im Falle einer Anzeige durch die Pflegekraft wegen der Anerkennung von Schuldausschließungsgründen folgenlos bliebe. Eine Ursache für die Gewalt durch Angehörige gegenüber Pflegekräften kann die Unzufriedenheit mit der Ausübung der Pflege sein. In einzelnen Fällen treten gewaltsame Angriffe gegen Pflegekräfte ebenfalls dadurch auf, weil sie zu Recht oder zu Unrecht durch den Pflegebedürftigen oder Angehörige des Diebstahls beschuldigt werden. Die Auswirkungen der Gewalt können erheblich sein. Eine wiederholte oder heftige Gewaltanwendung gegenüber dem Pflegebedürftigen kann die Reaktion bewirken, dass eine anschließende Pflege durch die bisherige Pflegekraft nicht mehr erfolgversprechend ist. Erfolgt trotzdem kein Betreuungswechsel, besteht die hohe Gefahr für gesundheitliche Verschlechterungen des Pflegebedürftigen und Wiederholungsgefahr für gewaltsame Auseinandersetzungen. Bei schwersten Pflegefällen sind die gesundheitlichen Gefahren umso höher einzuschätzen. Bereits das pflichtwidrige Unterlassen ausreichende Trinkmengen bereitzustellen oder zuzuführen, kann teilweise lebensgefährliche Auswirkungen haben.

Hilfs- und Veränderungsmöglichkeiten bei Gewalt in der Pflege

Angesichts der schlimmen Folgen von Gewalt in der Pflege und einer deutlich zunehmenden Anzahl der Pflegebedürftigen stellt sich die Frage der Vermeidbarkeit und Vorbeugung. Eine Toleranzgrenze ist dabei auf jeden Fall indiskutabel. Wichtig ist im akuten Problemfall, dass Betroffene eine zeitnahe Hilfs- und Beratungsmöglichkeit diskret nutzen können. Beschwerden- und Krisentelefone von staatlichen, kirchlichen und sozialen Einrichtungen können im Bedarfsfall genutzt werden, um praxisgerechte Handlungsempfehlungen zu erhalten. Auf Wunsch erfolgen diese Hinweise auch auf der Ebene der Anonymität. Regional bieten auch Selbsthilfeeinrichtungen ihre Unterstützung mithilfe ihrer gesammelten Erfahrungen an. Damit ursachenorientiert eine Reduzierung und Vorbeugung bezogen auf die Gewaltproblematik in der Pflege angestrebt werden kann, bieten sich folgende Maßnahmen und Verhaltensveränderungen an:

  • Stärkere Information und Aufklärung auf breiter Ebene
  • Inanspruchnahme einer professionellen Beratung im Vorfeld einer häuslichen Pflege
  • Erstellung eines Pflegeplans mit ausreichender Zeitbemessung
  • Nutzung von Beratungsangeboten für die Dauer der Pflegetätigkeit
  • Spezielle Verhaltenshinweise und Hintergrundinformationen für den Umgang mit Demenzerkrankten
  • Befristete Unterbrechung der Pflegetätigkeit bei Erschöpfung und Überlastung
  • Erfahrungsaustausch mit anderen Pflegekräften
  • Erhöhung der Kontrolldichte bei professionellen Pflegekräften durch den medizinischen Dienst

Funktionierende Kommunikation zur Vermeidung von Missverständnissen gilt als Frühwarnsystem zur Verhinderung von Gewalt. Das Stimmungsbarometer der Pflegebeziehung muss nicht immer den höchsten Stand anzeigen, aber es muss erkennbar funktionieren. Nur so kann die Pflegekraft ausreichend auf die Wünsche und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen eingehen. Probleme müssen erkannt und besprochen sowie Missverständnisse ausgeräumt werden. Unter Einbeziehung der aktuell verfügbaren Informationen bietet das unabhängige Pflegeanbieter-Vergleichsportal "Pflegezentrum" eine kostenlose, hilfreiche Vergleichsübersicht mit einer umfassenden Darstellung seriöser Pflegeeinrichtungen an. Diesen Anbietervergleich sollten Sie bei der Suche nach einem geeigneten Pflegeheim und Pflegedienst unbedingt vor Ihrer Auswahlentscheidung berücksichtigen.

 

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