Pflegegeld

2018-08-14T09:37:50+02:00

Voraussetzungen für einen Anspruch auf Pflegegeld

Wenn es die Lebensumstände zulassen und die Bereitschaft der Betroffenen gegeben ist, kann die Betreuung eines Pflegebedürftigen durch Angehörige oder Ehrenamtliche zu Hause durchgeführt werden. Bei den Pflegekassen kann aufgrund des dadurch entstehenden Aufwandes für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung Pflegegeld beantragt werden. Voraussetzung für einen Anspruch auf Pflegegeld ist das Vorliegen einer Erkrankung oder Behinderung. Außerdem muss die Notwendigkeit einer regelmäßigen und dauerhaften Hilfe bei der täglichen Lebensführung bestehen. Davon ist auszugehen, wenn dies für die Dauer von voraussichtlich mindestens sechs Monaten erforderlich scheint. Dabei muss der Hilfebedarf mindestens erheblich sein. Außerdem muss für einen Anpruch auf Pflegegeld die Vorversicherungszeit gegeben sein. Dies bedeutet für den Pflegebedürftigen, dass er innerhalb der letzten 10 Jahre bereits mindestens zwei Jahre Mitglied in der Pflegeversicherung gewesen sein muss. Für Leistungen der Pflegeversicherung ist es weiterhin erforderlich, dass der Pflegebedürftige in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung insgesamt mindestens 90 Minuten Hilfe benötigen. Die genaue Höhe des Pflegegeldes bestimmt sich nach der Höhe der Pflegestufen. Anträge zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und Einstufung des Pflegeumfangs werden maßgeblich durch den medizinischen Dienst der Pflegekassen bearbeitet. Die Anspruchsvoraussetzung auf Leistungen nach den spezialgesetzlichen Bestimmungen beginnt im Falle einer Anerkennung durch die Pflegekassen mit dem Datum der Antragstellung. Da keine Anrechnung des Pflegegeldes auf das Einkommen des Antragstellers erfolgt, werden losgelöst von der Höhe der Leistung keine Steuern oder Sozialabgaben fällig.

Das Pflegegeld entspricht dem Bedarf der Pflegebedürftigkeit und ist mit Sachleistungen kombinierbar

Die Pflegestufe umschreibt und bezeichnet die Schwere der Pflegebedürftigkeit und legt auf dieser Grundlage die Leistungshöhe für das Pflegegeld fest. Diesem Zweck dient die Einteilung der Pflegestufen I, II und III. Ein Unterschied für besonders pflegeaufwendige Patienten als sogenannte Härtefälle gemäß der Pflegestufe III greift nicht bei Pflegegeldleistungen. In der Pflegestufe 0 sind nur Leistungen für Pflegebedürftige mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz möglich. Das Pflegegeld ist auch mit Sachleistungen kombinierbar. Das Pflegegeld reduziert sich dabei anteilig um die Höhe der beanspruchten Sachleistungen. Sachleistungen entstehen, wenn professionelle ambulante Pflegedienste Aufgaben der häuslichen Pflege übernehmen. Die Kosten für ambulante Pflegedienste sind unterschiedlich. Eine hilfreiche Vergleichsübersicht über infrage kommende ambulante Pflegedienste ist kostenlos über das Pflegeanbieter-Vergleichsportal "Pflegezentrum" erhältlich. Eine Übersicht über die Unterschiede der monatlichen Leistungen bezogen auf das Pflegegeld ist nachfolgend dargestellt:

Pflegestufe 0: Versicherte ohne Pflegestufe mit dauerhaft erheblich eingeschränkte
Alltagskompetenz: 123 Euro

Pflegestufe I: Erhebliche Pflegebedürftigkeit: 244 Euro
mit Demenz: 316 Euro

Pflegestufe II: Schwerpflegebedürftigkeit: 458 Euro
mit Demenz: 545 Euro

Pflegestufe III: Schwerstpflegebedürftigkeit: 728 Euro
mit Demenz: 728 Euro

Das Pflegegeld dient als soziale Absicherung und richtet sich nach der Pflegestufe

Für die Feststellung einer Pflegestufe durch den medizinischen Dienst gelten folgende Überprüfungskriterien:

Pflegestufe 0: Versicherte ohne Pflegestufe mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

Der Begriff der Pflegestufe 0 hat sich weniger als Rechtsbegriff, sondern mehr umgangssprachlich entwickelt. Er findet jedenfalls überwiegend Gebrauch und ist mit hinreichend definierten Inhalten besetzt. Danach erfolgt eine Leistung der Pflegekassen für Menschen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz seit dem Jahresbeginn 2015. Es muss dabei die Voraussetzung vorliegen, dass eine Hilfe für im Durchschnitt unter 90 Minuten notwendig ist und der dabei für die Grundpflege anfallende Aufwand weniger als 45 Minuten beträgt. Bei der Überprüfung dieser neuen Voraussetzungen durch den medizinischen Dienst finden unter anderem auch die nachfolgenden Kriterien Berücksichtigung:

  • Unregelmäßiger Ablauf im wechselnden Rhythmus von Tag und Nacht
  • Unzureichendes Einschätzungsvermögen von Gefahren
  • Gefährliches Eigenverhalten
  • Der Verhaltensgrundsatz der Verhältnismäßigkeit funktioniert als Handlungskontrolle nur noch eingeschränkt
  • Unkontrollierbare Verhaltensstörungen durch auftretende Emotionalität und Labilität
  • Eine gezielte Tagesplanung findet in der Alltagspraxis kaum noch statt. Eine ablauforganisatorische Struktur ist nicht mehr erkennbar
  • Der Verlust der Verhaltenskontrolle äußert sich auch beim nicht erklärbaren Verlassen der Wohnung
  • Stimmungsschwankungen, depressive Verfassung, Aggressionen verbaler oder körperlicher Art
  •  Antriebsarmut, starke Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Ablehnung und fehlende Mitwirkung bei notwendigen therapeutischen Maßnahmen

Pflegestufe I: Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Eine erhebliche Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn im Rahmen der täglichen Grundpflege in mindestens zwei verschiedenen Bereichen eine Hilfe mit einem Zeitaufwand von über 45 Minuten erforderlich ist. Außerdem muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung erfolgen. Der hierfür notwendige zeitliche Aufwand muss im Tagesdurchschnitt pro Woche mindestens 90 Minuten betragen.

Pflegestufe II: Schwerpflegebedürftigkeit

Die Voraussetzungen für eine Schwerpflegebedürftigkeit liegen vor, wenn ein Hilfebedarf bei der Grundpflege mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten notwendig ist. Der hierzu notwendige Zeitaufwand muss sich auf mindestens zwei Stunden belaufen. Zusätzlich muss es erforderlich sein, die hauswirtschaftliche Versorgung mehrfach wöchentlich zu unterstützen. Dazu muss die Hilfe über eine Gesamtzeit von mindestens drei Stunden im wöchentlichen Tagesdurchschnitt geleistet werden.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit

Von einer Schwerstpflegebedürftigkeit wird ausgegangen, wenn über 24 Stunden ein durchgehender Hilfebedarf für die Grundpflege besteht. Dabei muss ein tatsächlicher Zeitaufwand für die tägliche Grundpflege von mindestens vier Stunden notwendig sein. Außerdem muss eine mehrmals wöchentliche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung geleistet werden. Im wöchentlichen Tagesdurchschnitt müssen hierfür mindestens vier Stunden erforderlich sein.

 

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