Pflegestandards

2018-08-14T09:00:52+02:00

Pflegestandards setzen einen unverzichtbaren Maßstab zur Organisation der Pflege

Der Umfang der regelmäßig durchzuführenden Pflegemaßnahmen ist bei deutschlandweit fast drei Millionen Pflegebedürftigen enorm. Angesichts begrenzter finanzieller, personeller und damit auch zeitlich begrenzter Ressourcen ist es sinnvoll und geboten, im Interesse der Pflegebedürftigen alles Notwendige zur Effizienzsteigerung praktisch umzusetzen. Als wichtige Bausteine zur Qualitätssicherung fungieren Pflegestandards. Die Bildung und Festlegung eines einheitlichen Pflegeniveaus ist kein ausdrücklicher Bestandteil von pflegegesetzlichen Regelungen. Im Rahmen der prozesshaften Entwicklung dieses unbestritten zweckmäßigen Instruments wurden teilweise unterschiedliche Regelungen von Qualitätsstandards geschaffen. Uneinheitlich verlief auch dementsprechend die dazu korrespondierende Definition. Im Zuge des Erfahrungsaustauschs der Fachgremien im Pflegebereich hat sich eine Tendenz zur deckungsgleichen Einschätzung von Pflegemaßstäben entwickelt. Eine vielfach akzeptierte Definition ist die der WHO (World Health Organisation).

Pflegestandards dienen der erforderlichen Qualitätssicherung in der professionellen Pflege

Festgelegte Standards in der Pflege umschreiben eindeutig und überprüfbar das anzustrebende aufgaben- und ergebnisorientierte Qualitätsniveau bezogen auf die Handlungskompetenz professioneller Pflegekräfte. Die dadurch beschriebenen Ansprüche zur Realisierung einzelner Maßnahmen und Verfahren sollen eine einheitliche Verfahrenspraxis bei Pflegekräften gewährleisten, um insbesondere Gefahren, Schäden und Zeitverluste zu vermeiden. Dabei stehen folgende allgemeine Ziele dieser Steuerungsstrategie im Vordergrund:

  • Die Pflegestandards sollen wesentlich zur Qualitätssteigerung der Pflege beitragen. Sie schaffen eine Richtschnur für eine einheitliche, zielführende Vorgehensweise bei einzelnen Pflegemaßnahmen
  • Die Einhaltung von Pflegestandards fördert die Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Vereinfachung der im Rahmen der Pflegeplanung notwendigen Dokumentation. Anstatt durch individuelle Formulierungen des Pflegepersonals erfolgt die Dokumentation mittels Nummerierungen der jeweiligen Standards und durch festgelegte Begriffe.
  • Umfassende Pflegestandards enthalten die Grundlagen zur effizienten Durchführung der Pflegemaßnahmen und dienen dabei auch der Vermeidung methodischer und menschlicher Fehler. Pflegekräfte können bedarfsgerecht die Pflegestandards in der Funktion eines Nachschlagewerks dazu nutzen, wichtige Hilfestellungen mit wertvollen praktischen Bezügen zu erhalten.
  • Die Berücksichtigung des Pflegestandards bei der Durchführung von Pflegemaßnahmen soll die Qualität regelmäßig erforderlicher Arbeitsschritte sicherstellen. Ergänzende Pflegemaßnahmen können in eigenverantwortlicher Entscheidung der Pflegekraft durchgeführt werden, wenn es die besondere Einzelfallsituation erfordert. Diese Abweichung sollte zur Maßnahmenüberprüfbarkeit begründet dokumentiert werden.

Mithilfe der Überprüfungsmöglichkeit durch Pflegestandards können auch Auswahlentscheidungen im Rahmen einer Suche nach einem geeigneten Pflegedienst getroffen werden. Bei der Vielzahl von Anbietern fällt es oft nicht leicht, einen kostengünstigen Pflegedienst zu finden, der den gewünschten Qualitätsansprüchen des Pflegebedürftigen entspricht. Bei der Auswahl eines Pflegedienstes sind auch die räumliche Nähe und vorhandene Erfahrungswerte von Bedeutung. Ein kostenloses Hilfsangebot bei der Suche nach dem individuell passenden Dienstleister für die ambulante Pflege stellt das unabhängige Pflegeanbieter-Vergleichsportal "Pflegezentrum" zur Verfügung. Diesen aktuellen Anbieter-Vergleich sollten Sie unbedingt anfordern.

Die Erstellung von Pflegestandards

Die Bestimmung von Standards für die Durchführung der Pflege unterliegt den tragenden Einflüssen wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen im Pflegebereich. Es muss darauf geachtet werden, dass alle Maßnahmenbeschreibungen und Ergebniserwartungen klar und unmissverständlich ausgedrückt werden. Grundsätzlich erfolgt die inhaltliche Entwicklung und Festlegung eines Pflegestandards vor allem unter Berücksichtigung folgender Fragen und Kriterien:

  • Erfassung der Aufgaben- und Problemstellung unter Auswertung aller Informationsmöglichkeiten wie Pflegediagnose oder Therapieprogramm
  • Personaleinsatz: Wie viele Pflegekräfte sind für welchen Zeitraum erforderlich?
  • Art und Umfang benötigter Materialien und Hilfsmittel
  • Einbeziehung des Patienten (Wünsche, Probleme, Ressourcen)
  • Pflegerische Zielsetzung, Festlegung von Überprüfungsterminen
  • Anforderungen an die fachliche Qualifikation zur Durchführung der Pflegemaßnahme
  • Hinweise zur Reihenfolge und praktischen Durchführung sowie zu möglichen Komplikationen der Einzelmaßnahmen
  • Vorbereitende Handlungen und Nachbetreuung

Bei selbstverständlichen einfachen Alltagshandlungen, bei deren Erledigung aufgabenbedingt und erfahrungsgemäß keine Fehler zu erwarten sind, ist die Erstellung eines Pflegestandards entbehrlich.

Wissenschaftlich fundierte Expertenstandards für wichtige Pflegebereiche

Durch das Deutsche Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege wurden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Pflegerat bislang sieben Expertenstandards erstellt. Kennzeichnend für die entwickelten nationalen Expertenstandards ist die starke Orientierung an wissenschaftlich abgesicherten Grundlagen. Die geringere Berücksichtigung praktischer Erfahrungswerte und das Fehlen einer zeitlich vorgegebenen Evaluierung werden dabei zum Teil kritisch gesehen. Als Richtschnur für spezielle Pflegemaßnahmen stehen die nachfolgenden Expertenstandards, die teilweise bereits aktualisiert worden sind, zur Verfügung:

  • Dekubitusprophylaxe
  • Entlassungsmanagement in der Pflege
  • Sturzprophylaxe
  • Förderung der Harnkontinenz in der Pflege
  • Akutes Schmerzmanagement
  • Chronisches Schmerzmanagement
  • Pflege bei chronischen Wunden
  • Ernährungsmanagement in der Pflege

Pflegestandards als Bewertungs- und Leistungsgrundlage

Durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen und Heimaufsicht werden Qualitätskontrollen erfolgter Pflegeleistungen durchgeführt. Dabei werden vor allem die durch die Pflegedienste dokumentierten Pflegemaßnahmen im Hinblick auf die Durchführungs- und Erfolgsqualität bewertet. Maßgebliches Kriterium ist dabei die Berücksichtigung der vorgegebenen Pflegestandards. Abweichungen im Einzelfall müssen schlüssig begründet sein. Durch die Standardisierung von Pflegeleistungen kann die Abrechnung transparent und unkompliziert erfolgen. Die Notwendigkeit von Pflegestandards erklärt sich auch aufgrund der Ausführungen in § 80 des Sozialgesetzbuches Nr. XI zur Qualitätssicherung in der Pflege.

 

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