Pflegestufen

2018-08-14T07:37:38+02:00

Die Pflegestufen als Grundlage für die Leistungsbemessung der Pflegeversicherungen

Die Bemessungsgrundlage für die Leistungsgewährung der Pflegekassen ist der Grad der Hilfebedürftigkeit. Die hierfür erforderliche Einstufung in Pflegestufen ist Aufgabe des medizinischen Dienstes der jeweiligen Pflegeversicherungen. Damit den verschiedenen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen situationsgerecht entsprochen werden kann, dient eine Gliederung in drei Pflegestufen. Dadurch sind die Voraussetzungen und Höchstbeträge für Leistungen der Pflegekassen festgelegt. Für Menschen ohne Pflegestufe mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz sind in den Leistungsbeschreibungen für den Pflegefall ebenfalls Pflege- und Entlastungsleistungen enthalten. Die als Orientierungs- und Handlungsrahmen fungierende Einteilung der Pflegestufen ist wie folgt gegliedert:

  • Pflegestufe 0 : Versicherte ohne Pflegestufe mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz
  • Pflegestufe I: Erhebliche Pflegebedürftigkeit
  • Pflegestufe II: Schwerpflegebedürftigkeit
  • Pflegestufe III: Schwerstpflegebedürftigkeit (mit Härtefallregelung)

Die Überprüfung und Einordnung der Pflegebedürftigkeit in eine der drei Pflegestufen sowie die Feststellung einer erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz muss vom Betroffenen beantragt werden. Ersatzweise können Anträge auf die Feststellung von Pflegestufen auch von Betreuungsbevollmächtigten gestellt werden. Unter der Voraussetzung einer festgestellten Pflegestufe können Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bis zur jeweils angegebenen Höhe bezogen werden. Bei einer Leistungsbewilligung gilt bezüglich der Kostenübernahme das Datum der Antragstellung zur Feststellung einer Pflegestufe. Da die Zuteilung der Pflegestufen die Höhe der Leistungen bestimmt, ist sie auch von Bedeutung in Bezug auf die Höhe möglicher Zuzahlungen. Bei der Suche nach einem passenden Pflegeheim spielen die finanziellen Rahmenbedingungen eine große Rolle. Eine unverbindliche, kostenlose Vergleichsübersicht über günstige geeignete Pflegeheime bietet das unabhängige Pflegeanbieter-Vergleichsportal "Pflegezentrum". Diese aktuellen Informationen sollten Sie sich als Orientierungshilfe besorgen.

Die Details der unterschiedlichen Pflegestufen

Bei einer Pflegebedürftigkeit handelt er sich in der Regel um eine dauerhafte Einschränkung. Deshalb greift die Pflegeversicherung nicht bei vorübergehendem Hilfebedarf. Zu den weiteren allgemeinen Voraussetzungen für eine Leistungsgewährung zählt auch, dass der Antragsteller innerhalb der letzten zehn Jahre mindestens zwei Jahre pflegeversichert war (Vorversicherungszeit). Für die Einstufung in eine der Pflegestufen muss der Betroffene Hilfe in den nachfolgenden Bereichen unter Berücksichtigung bestimmter Zeitkontingente benötigen:

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Beweglichkeit
  • Hauswirtschaftliche Versorgung

Für die Einteilung in die Pflegestufen spielt die zeitliche Komponente bei der Feststellung der Hilfsbedürftigkeit eine wichtige Rolle:

Pflegestufe 0: Versicherte ohne Pflegestufe mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

Eine Leistung der Pflegekassen wird dann gewährt, wenn im Durchschnitt pro Tag eine Hilfe erforderlich ist, die weniger als 90 Minuten beträgt oder davon weniger als 45 Minuten auf die Durchführung der Grundpflege entfallen. Die Voraussetzungen für die Pflegestufe I müssen dabei nicht vorliegen. Leistungsvoraussetzung ist dabei außerdem, dass die Alltagskompetenz dauerhaft erheblich eingeschränkt sein muss. Dies bedeutet, dass die Betroffenen ein erhöhtes Maß an Aufsicht und Betreuung aufgrund psychischer Erkrankungen oder geistiger Behinderung wie zum Beispiel demente Personen benötigen.

Pflegestufe I: Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Eine Leistung wegen erheblicher Pflegebedürftigkeit wird dann gewährt, wenn bei mindestens zwei Ausübungen der Grundpflege einmal pro Tag eine Hilfe erforderlich ist. Dafür muss der zeitliche Aufwand mehr als 45 Minuten betragen. Zusätzlich muss auch mehrmals pro Woche eine hauswirtschaftliche Versorgungshilfe notwendig werden. Der hierfür erforderliche Zeitaufwand muss pro Woche auf den Tagesdurchschnitt gerechnet mindestens 90 Minuten betragen.

Pflegestufe II: Schwerpflegebedürftigkeit

Eine Einstufung wegen Schwerpflegebedürftigkeit erfolgt dann, wenn die Notwendigkeit eines Hilfebedarfs bezogen auf die Grundpflege mindestens dreimal pro Tag zu verschiedenen Tageszeiten gegeben ist. Der dazu erforderliche Zeitaufwand muss mindestens zwei Stunden betragen. Außerdem muss das Erfordernis bestehen, dass bei der hauswirtschaftlichen Versorgung mehrfach pro Woche eine Unterstützung geleistet werden muss. Hierbei muss die Dauer der Hilfe mindestens drei Stunden im wöchentlichen Tagesdurchschnitt betragen.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit

Eine Schwerstpflegebedürftigkeit ist dann gegeben, wenn das Erfordernis eines Hilfebedarfs im Rahmen der Grundpflege jederzeit rund um die Uhr besteht. Insgesamt muss für die tägliche Grundpflege ein Zeitaufwand von mindestens vier Stunden bestehen. Außerdem muss wöchentlich eine mehrfache Hilfe zur hauswirtschaftlichen Versorgung zu leisten sein. Der dafür erforderliche Zeitaufwand muss mindestens fünf Stunden im wöchentlichen Tagesdurchschnitt betragen.

In einer detaillierten zeitlichen Auflistung und Bewertung zur Festlegung von Pflegestufen finden die nachfolgenden Einzelbetrachtungen Berücksichtigung.

Bereich der Körperpflege:

  • Waschen (Ganzkörperwäsche, Oberkörper, Unterkörper sowie Hände/Gesicht)
  • Duschen
  • Baden
  • Zahnpflege
  • Kämmen
  • Rasieren
  • Darm- oder Blasenentleerung (Stuhlgang, Wasserlassen, Richten der Bekleidung, Wechseln von Windeln oder kleineren Vorlagen)

Bereich der Ernährung:

  • Bedarfsgerechte Nahrungszubereitung
  • Die Nahrungsaufnahme

Bereich der Mobilität:

  • Aufstehen und zu-Bett-Gehen
  • An- und Auskleiden
  • Gehen, Stehen, Treppensteigen
  • Orientierungshilfe beim Verlassen der Wohnung

Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung:

  • Einkaufen
  • Kochen
  • Wohnungsreinigung
  • Spülen
  • Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung
  • Beheizen der Wohnung

Die Neueinteilung unterschiedlicher Pflegebedürftigkeit erfolgt demnächst durch Pflegegrade

Aufgrund der anstehenden gesetzlichen Reform der Pflegeversicherung wird ab dem Jahre 2017 ein neuer Begriff alternativ zur bisherigen Stufeneinteilung der Pflegebedürftigkeit Verwendung finden. Zukünftig weisen fünf verschiedene Pflegegrade den Bemessungsrahmen für Leistungsansprüche aus den gesetzlichen Pflegeversicherungen aus. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wird ersatzweise an die Stelle des Systems mit den bisherigen drei Pflegestufen treten. Menschen mit körperlichen, geistigen und psychischen Einschränkungen werden nach der Neuregelung unterschiedslos den Pflegegraden zugeordnet. Das entscheidende Kriterium bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst ist die zu ermittelnde Gesamtbewertung aus einer unterschiedlichen Wertungsgewichtung bezogen auf sechs verschiedene Lebensbereiche. Das Ergebnis ist dann nur noch dem jeweiligen Pflegegrad zuzuordnen. Mit diesem Bewertungs- und Einstufungsverfahren soll dem Grad der Selbstständigkeit und Alltagsbefähigung mehr Rechnung getragen werden.

 

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