Pflegeversicherung

2018-08-14T06:41:32+02:00

Die Bedeutung der Pflegeversicherung für Pflegebedürftige

Durch den ständigen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung erhöht sich auch die Anzahl pflegebedürftiger Menschen. Die gesetzliche Pflegeversicherung dient als sozialversicherungsmäßige Ergänzung zur Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und gesetzlichen Unfallversicherung. Dadurch sollen rückzahlungspflichtige Sozialhilfeleistungen im Pflegefall möglichst vermieden werden. Die Pflegeversicherung sorgt daher für eine deutliche Verringerung finanzieller Belastungen und Risiken im Falle einer Pflegebedürftigkeit. Eine Versicherungspflicht besteht per Gesetz seit dem Jahresbeginn 1995 für alle gesetzlich und privat Versicherten. Dadurch wird eine Grundsicherung gewährleistet, die je nach Art und Umfang anfallender Pflegekosten eine Zuzahlung des Pflegebedürftigen erforderlich macht.

Die jeweils einer Krankenkasse angeschlossenen Pflegekassen sind gemäß dem Sozialgesetzbuch Nr. 11 die Träger der Pflegeversicherung. Im Jahre 2015 waren 70,74 Millionen Menschen gesetzlich krankenversichert, davon 17,18 Millionen freiwillig wie zum Beispiel Selbstständige. Die Anzahl der Mitglieder in einer privaten Pflegeversicherung betrug 8,83 Millionen. Der Versicherungsschutz beider Versicherungsarten ist gleich. Die im ersten Pflegestärkungsgesetz festgelegten Leistungen müssen durch die Pflegebedürftigen rechtzeitig beantragt werden. Die Mitgliedsbeiträge für eine Pflegeversicherung richten sich nach den jeweils aktuellen gesetzlichen Festlegungen. Veränderungen der Beitragshöhe ergeben sich vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung. Bei gesetzlich sowie privat pflegeversicherten Arbeitnehmern trägt der Arbeitgeber die Hälfte des Beitrages. Mit einigen Ausnahmen müssen kinderlose Mitglieder einer Pflegeversicherung einen Zuschlag zur allgemeinen Beitragshöhe zahlen.

Die Leistungen einer Pflegeversicherung

Bezogen auf Maßnahmen zur häuslichen und stationären Pflege gehen nach den Vorgaben des Sozialgesetzbuches (§ 3 SGB) die Leistungen der ambulanten Pflege den teil- und vollstationären Pflegeleistungen vor. Leistungen der Pflegeversicherungen werden als Geld- oder Sachleistungen gewährt. Damit soll die Grundpflege, medizinische Behandlungspflege und hauswirtschaftliche Versorgung zur Entlastung des Pflegebedürftigen finanziert werden. Die Leistungshöhe ist in der Regel von der Pflegestufe des Antragstellers abhängig. Pflegebedürftige, bei denen eine erhebliche Einschränkung ihrer Alltagskompetenz festgestellt wird, können losgelöst von der Pflegestufenbewertung Betreuungs- und Entlastungsleistungen erhalten. Diese Regelung kommt zum Beispiel bei dementen Menschen zum Tragen. Folgende Pflegemaßnahmen werden durch Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung unterstützt:

  • Häusliche Pflege durch Angehörige oder Ehrenamtliche
  • Einsatz ambulanter Pflegedienste
  • Verhinderungspflege
  • Kurzzeitpflege
  • Teilstationäre Tages- oder Nachtpflege
  • Vollstationäre Pflege
  • Pflegekurse für Angehörige
  • Pflegehilfsmittel
  • Wohnraumanpassung

Die detaillierten Beträge und Leistungsobergrenzen für die ambulante und stationäre Pflege gehen aus den Bestimmungen des ersten Pflegestärkungsgesetzes hervor. Danach besteht die Möglichkeit der Inanspruchnahme eines Pflegegeldes bei der Durchführung der häuslichen Pflege durch Angehörige oder Ehrenamtliche. Dabei ist eine Kombination des Pflegegeldes mit Pflegesachleistungen zulässig. Ein Anspruch auf Pflegesachleistung entsteht, wenn als Hilfe bei der häuslichen Pflege ein ambulanter Pflegedienst eingesetzt wird. Falls eine Pflegekraft im Rahmen der häuslichen Pflege seiner Aufgabe vorübergehend nicht nachkommen kann, greifen für eine notwendige Vertretung der Pflegekraft die Regelungen der Verhinderungspflege. Danach übernimmt die Pflegekasse die Kosten für eine Ersatzpflege bis zu einem bestimmten Höchstbetrag für die Dauer von bis zu 6 Wochen. Voraussetzung für die Leistung ist, dass der Pflegebedürftige bis zu diesem Zeitpunkt mindestens 6 Monate von der Pflegekraft gepflegt worden ist. Die Ersatzpflege greift auch bei Pflegebedürftigen ohne Pflegestufe bei festgestellten Einschränkungen der Alltagskompetenz. Dieser Personenkreis kann auch eine Kurzzeitpflege ohne Pflegestufe in Anspruch nehmen. Bei einer Kurzzeitpflege wird ein Pflegebedürftiger bis zu 4 Wochen stationär gepflegt, wenn zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt noch Zeit für die Rückkehr zur häuslich Pflege benötigt wird.

Wurden im Kalenderjahr keine Mittel der Ersatzpflege beansprucht, können der Zeitraum für die Kurzzeitpflege und der damit verbundene Höchstbetrag unter Anrechnung auf die Ersatzpflege verdoppelt werden. Bei einer dauerhaften stationären Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung übernimmt die Pflegekasse bis zu den festgelegten Höchstbeträgen die Kosten für die Pflege einschließlich der Investitionskosten. Als Ergänzung zur häuslichen Pflege besteht auch die teilstationäre Unterbringungsmöglichkeit durch die Tages- oder Nachtpflege. Diese Möglichkeit besteht für Pflegebedürftige mit einer Pflegestufe oder festgestellter Einschränkung der Alltagskompetenz. Die Erforderlichkeit dieser Pflegemaßnahme muss aufgrund der Nachrangigkeit durch eine Einzelfallprüfung festgestellt werden. Außerdem stellt die Pflegeversicherung auch Leistungen für Pflegekurse für Angehörige, Wohnraumanpassung oder Pflegehilfsmittel zur Verfügung. Bei allen Leistungen der Pflegeversicherung gilt, dass anfallende Kosten für Unterkunft und Verpflegung durch den Pflegebedürftigen zu tragen sind. Da diese Kosten sehr unterschiedlich von den einzelnen Pflegeheimen berechnet werden, lohnt sich ein umfassender Vergleich der Pflegeeinrichtungen. Eine unverbindliche, kostenlose Vergleichsübersicht wird durch das unabhängige Pflegeanbieter-Vergleichsportal "Pflegezentrum" zur Verfügung gestellt. Wer auf der Suche nach einem passenden Pflegeheim ist, sollte diese ebenso aktuelle wie seriöse Informationsmöglichkeit nutzen.

Ergänzungen zur gesetzlichen Pflegeversicherung

Die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung decken nicht alle Kosten ab, die durch eine Pflegebedürftigkeit entstehen. Als zusätzliche Absicherung für den Pflegefall schließen zahlreiche Menschen eine private Pflegezusatzversicherung ab. Dadurch soll verhindert werden, dass Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen nicht in erheblichem Umfang auf Ersparnisse zurückgreifen müssen. Vor allem wollen sie vom unangenehmen Gang zum Sozialamt verschont bleiben. Für diesen Fall können Leistungslücken durch private Pflegeversicherungen geschlossen oder reduziert werden. Eine Alternative ist die staatlich subventionierte Pflegetagegeldversicherung „Pflege Bahr“, die analog des Riester-Renten-Prinzips konzipiert worden ist. Damit sollen mit geringen Beitragszahlungen bessere Absicherungen für den Pflegefall geschaffen werden. Außerdem besteht auch die Möglichkeit zum Abschluss einer sonstigen privaten Pflegetagegeldversicherung. Ebenfalls bestehen Absicherungsmöglichkeiten über eine zusätzliche private Pflegekostenversicherung. Durch eine flexible Pflegerentenversicherung sollen beim Eintritt einer Pflegebedürftigkeit regelmäßige Rentenzahlungen als finanzielle Unterstützung dienen. Die Rentenzahlungen erfolgen unabhängig von der Art der Pflege.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok