Alzheimer Demenz löscht unwiderruflich ganze Lebensphasen

2018-08-14T10:05:44+02:00

Die Reise in die eigene Vergangenheit - Wie sich Menschen mit Demenz selbst sehen

Wenn das Vergessen nur der Anfang ist

Neben dem Vergessen bedeutet die Erkrankung vor allem die Reise in die eigene Vergangenheit. Die Reise rückwärts beginnt meist mit kleinen, fast unbemerkten, Vergesslichkeiten oder einer kurzen Verwirrtheit. Unbemerkt für das Umfeld und die Gesellschaft. Der Betroffene aber merkt sehr wohl, das etwas nicht stimmt. Er wird es dem Alter zuschreiben und einfach darüber hinwegsehen.

Dann gibt es erste Phasen der Orientierungslosigkeit, das Vergessen weitet sich auf andere Lebensbereiche aus und fällt jetzt auch den Familienangehörigen und der unmittelbaren Umgebung auf. Die augenscheinliche Verwechslung des Gegenüber oder die Frage nach einem längst verstorbenen Partner sind die nächste Stufe der Alzheimer Demenz. Darauf angesprochen reagieren die meisten dementen Menschen mit Verärgerung oder auch Aggression.

Aus Sicht des Betroffenen sind die anderen Schuld

Demente Menschen sehen sich selbst nicht als der Verursacher der Verspätung oder des Vergessens. Ein typisches Merkmal der Demenz, im Gegensatz zu einer Depression, besteht darin, dass der Betroffene die Krankheit und deren Symptome leugnet und nicht akzeptieren will und kann, das er krank ist. Die aufgestaute Wut über die Demenz und deren unaufhaltsamen Fortschritt führt zu zahlreichen Konflikten mit der Familie, den Angehörigen oder Freunden. Das selbständige Leben wird mehr und mehr unmöglich und unausweichlich muss über die häusliche oder stationäre Pflege entschieden werden.

Die Pflegekräfte, egal ob Familie oder externe Dienstleister, sind Fremde für den erkrankten Menschen. Er befindet sich bereits auf der Reise zurück in die eigene Vergangenheit und hat vergessen, das er bereits Opa oder Vater ist, verheiratet ist und ein erfülltes Leben hinter sich hat. Er kann überhaupt nicht begreifen, das ihm völlig fremde Menschen an ihm rumzerren, ihn waschen und umziehen wollen, ihm sagen, wann und was er zu essen hat und ihm nicht endlich seine so dringenden Fragen nach Angehörigen oder Freunden von früher beantworten.

Vom Greis zum Säugling

Demenz zeichnet sich besonders dadurch aus, das längst Erlerntes plötzlich unwiderruflich vergessen ist. Die Phasen vom Säugling zum Baby, zum Kind über den Teenager zum Erwachsenen und schließlich zum Senioren verläuft rückwärts.

  • Aus fester Nahrung wird pürierte Kost, dann Brei und schließlich Flüssignahrung
  • Aus einwandfreier Aussprache wird Genuschel, dann kommen nur noch Wortfetzen über die Lippen. Am Ende nur einzelne Laute und es folgt oft das kindliche Weinen oder gar Schreien.
  • Aus aufrechtem Gang wird der unsichere und wackelige Gang. Stürze sind unausweichlich und führen meist zu Rollstuhl oder Bettlägerigkeit.
  • Aus gesteuertem Toilettengang wird die Inkontinenz.

Demente Personen sehen beim Blick in den Spiegel nicht mehr sich selbst, wie ihn seine Umwelt sieht. Als alte Frau mit vielen Falten, grauem Haar und Gehstock. Vielmehr erblickt er im Spiegel sich selbst, der er in einer bestimmten, aber vergangenen Zeit, einmal war. Ein junges, gerade mal 18 jähriges Mädchen, das sich mit einem Verehrer zum Tanz trifft oder ein fescher Jüngling, der auf Brautschau ist. Aus genau diesen, gerade aktuellen Lebensphase, resultiert das Verhalten des Erkrankten. Ein Greis, der mit dem weiblichen Pflegepersonal deutlich flirtet oder die alte Frau, die immer wieder nach dem früheren Verehrer fragt.

Niemand vermag es bisher, die Demenz aufzuhalten. Sie zerstört nachhaltig das Gehirn und lässt Teile absterben. Ganze Lebensphasen sind gelöscht und Liebgewonnenes einfach nicht mehr da. Als Angehöriger oder Pflegekraft bleibt nichts anderes übrig, als zu den Dementen zu gehen und sie ein stück in ihrer gerade sich abspielenden Vergangenheit zu begleiten. Daraus mit zurücknehmen in die Gegenwart können Sie leider nicht mehr.

Demente Menschen Benötigen eine geduldige und sehr verständnisvolle Betreuung.

 

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